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Portrait einer Frau

Religionspolitik updaten

Sophie Frühwald

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Initiatorin des Forums Religionspolitik

Religionspolitische Fragen spielen in politischen Debatten oft nur im negativen Kontext eine Rolle. Dabei braucht es gerade hier zeitgemäße Lösungsansätze. Sophie Frühwald ist evangelische Theologin und hessische Sozialdemokratin. Ihr ist es wichtig, der Religionspolitik das Update zu verpassen, was sie angesichts der Vielfalt in unserer Gesellschaft schon längst braucht. 

Wer bist du und was machst du bei JoinPolitics?

Ich bin Sophie Frühwald, 26 Jahre alt, evangelische Theologin und aktuell Doktorandin. Seit 2019 bin ich Landesvorsitzende der Jusos in Hessen. Bei JoinPolitics engagiere ich mich mit der Initiative für eine Neuaufstellung der Religionspolitik in Hessen. Wir wollen zur Landtagswahl 2023 ein Forum initiieren. Es ist wichtig, der Religionspolitik das Update zu verpassen, was sie angesichts der Vielfalt in unserer Gesellschaft schon längst braucht. 

Dein Weg in die Politik? 

Mit 13 Jahren war ich in einer Schul-AG, die zum Thema Stolpersteine gearbeitet hat. Wir haben damals an den Biografien jüdischer Mitmenschen, die im Nationalsozialismus ermordet wurden, geforscht. Wir waren in Archiven, haben Spenden gesammelt, um die Steine verlegen zu können und waren auch bei der Verlegung dabei. Seitdem hat mich das Thema Nationalsozialismus aus einer historischen Perspektive immer besonders beschäftigt. Früh war es mir wichtig, etwas dafür zu tun, dass unsere Demokratie gestärkt wird und dass der Kampf gegen Rechts eine dauerhafte Aufgabe für meine Generation ist, auch wenn der Nationalsozialismus uns eher historisch begegnet. Als ich in Sachsen-Anhalt gelebt habe, war der Kampf gegen rechtsradikale Strömungen allgegenwärtig. Bei den Jusos war mir dieses Thema von Anfang an wichtig. Ein weiterer großer Antrieb war und ist das Thema Chancengleichheit. Gerade weil ich weiß, dass vieles bei mir nur so gut geklappt hat und so möglich war, weil meine Eltern die ersten in ihrer Familie waren, die studiert haben.

Wofür brennst du?

Die gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich beim Thema Religion in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr stark verändert. Jedoch hat sich das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaft, von Staat und Kirche seit vielen Jahrzehnten nicht wirklich  transformiert. In Deutschland und auch in Hessen gehören fast 50 Prozent der Menschen keiner Konfession und keiner Kirche mehr an. Gleichzeitig gibt es heute viele kleinere Religionsgemeinschaften, die es Anfang des 20. Jahrhunderts so noch nicht gab. Das Religionsthema wird jedoch ungern angefasst, weil es als nicht populär und schwierig gilt.. Jedoch merken immer wieder, wenn es um Reizthemen wie muslimischen Religionsunterricht, Kreuze in Schulen oder Kopftücher geht, wie die Debatten kurz politisch hochschwappen. Aber es gibt keine Bereitschaft dafür, das Ganze mal grundlegend anzupacken. 

Deswegen glauben wir, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist und dass Hessen als ein Bundesland in der Mitte von Deutschland, was unglaublich vielfältig ist, auch unglaublich vielfältige Religionsgemeinschaften hat, der richtige Ort ist, um die Religionspolitik zu reformieren. Perspektivisch ist es möglich, auch in anderen Bundesländern neue Wege zu beschreiten. Nehmen wir mal das Beispiel Religionsunterricht. Da wird oft nach verschiedenen Konfessionen separiert. Dabei sollte es vielmehr darum gehen, Religion kennenzulernen, Wissen zu vermitteln und Kompetenz im Umgang mit verschiedenen Religionen zu schulen.  

Hanau war für uns als Jusos leider ein drastischer Punkt, an dem wir noch einmal merkten, dass in der Innenpolitik des Landes unfassbar viel schief läuft. Natürlich spielt auch hier Religion eine Rolle. Der Täter von Hanau hat aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation gehandelt. Wir dürfen nicht ignorieren, dass Religionen und Religionsgemeinschaften oft für rassistischen Hass instrumentalisiert werden.


Was ist das Beste, was du im nächsten halben Jahr erreichen kannst, und wie hilft dir JoinPolitics dabei? 

Eines unserer Ziele ist, einen Kongress zu organisieren, bei dem wir Expert*innen und Vertreter*innen von verschiedenen religiösen Gemeinschaften, von laizistischen und humanistischen Gruppen und Politiker*innen zusammenbringen. Das Beste, was wir erreichen können ist, dass wir am Ende der sechs Monate ein Netzwerk von Leuten haben, die von unserem Transformationsgedanken überzeugt sind und mit uns gemeinsam weiter daran arbeiten wollen. Außerdem möchte ich 2023 für die SPD in den hessischen Landtag. Dort will ich die Verantwortung dafür übernehmen, so einen Prozess dann auch auf der Parlamentsebene zu organisieren. 

Ich freue mich auf die Seed-Phase mit JoinPolitics, in der ich lernen werde, unsere Initiative und unsere Teamarbeit weiterzuentwickeln. Und ich bin gespannt auf den Austausch zwischen den Talenten. Schon beim ersten Treffen in Präsenz habe ich gemerkt, was für spannende Menschen dabei sind. Ich denke, wir können parteiübergreifend viel voneinander lernen und uns gegenseitig unterstützen.  


Wo stehst du in fünf Jahren auf deinem politischen Weg?

Im besten Fall im Landtag und möglicherweise auch schon in der Wahlkampfvorbereitung für die nächste Landtagswahl. Außerdem hat sich die Idee unserer Initiative im Idealfall verstetigt und wir haben erste Gesetzesvorschläge dazu entwickeln können und auch Gespräche mit anderen Bundesländern aufgenommen. 

Was hast du aus schwierigen Phasen in der politischen Arbeit gelernt?

Ich habe gelernt: Scheitern gehört dazu. Das ist ganz normal, egal ob im Berufsleben oder in der politischen Arbeit. Im besten Fall kann man immer etwas daraus lernen. Für mich ist es wichtig, offen zu bleiben, um Pläne auch mal zu verwerfen und neue Chancen zu ergreifen. Vor einem halben Jahr hätte ich niemals mit der JoinPolitcs Förderung gerechnet und jetzt bin ich super glücklich darüber, dass es diese Chance gab. 

Und ich habe gelernt, stärker an mich zu glauben und mehr Raum zu nehmen. Meine Erfahrung ist, dass gerade viele jüngere Frauen sich stärker zurückhalten und lieber mal die Männer machen lassen und darauf warten, gefragt zu werden. Aber sie sollten aufbrechen und sich selbst Gehör verschaffen, wenn sie für eine Sache brennen

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