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Strukturwandel im Dialog: Auftakt des Netzwerks „Transformation gestalten“ in Cottbus

Transformation ist das Schlagwort unserer Zeit. Doch was heißt das, wenn ganze Regionen ihr wirtschaftliches Herzstück neu erfinden müssen? Wenn Kohle geht und Neues entstehen soll?

Wir sind überzeugt: Strukturwandel darf nicht nur verwaltet werden – er muss auch politisch gestaltet werden. Deshalb haben wir das Netzwerk “Transformation gestalten” ins Leben gerufen. Unser Ziel: Junge Talente aus Politik und Zivilgesellschaft befähigen, Wandel als demokratischen Auftrag zu verstehen und aktiv mitzugestalten.

Wir wollen raus aus der Theorie und rein in die Praxis. Deshalb ging es für unseren ersten großen Aufschlag dorthin, wo die Bagger noch graben und die Zukunft schon geplant wird: in die Lausitz. Vom 14. bis zum 15. November kamen wir in Cottbus zusammen. 

Was folgte? Zwei Tage voller Austausch, Perspektivwechsel, echter Begegnungen und ganz viel Aufbruch.

Warum dieses Netzwerk jetzt wichtig ist

Strukturwandel ist eine offene Operation am Herzen unserer Demokratie. Wo Perspektiven wegbrechen oder Entscheidungen teilweise nicht nachvollziehbar sind, schwindet schnell Vertrauen. Das Netzwerk setzt genau hier an: anpacken, vernetzen, verändern.

Wir bringen Menschen zusammen, die Verantwortung übernehmen wollen und die wissen, dass Transformation nur gelingt, wenn sie sozial und gerecht gestaltet wird. 

Über 20 Teilnehmende und ein echter Perspektivenwechsel

Mehr als 20 engagierte Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen Deutschlands kamen nach Cottbus. Eine Zusammensetzung, die sonst selten an einem Tisch sitzt:

  • Rheinisches Revier
  • Lausitz
  • Mitteldeutsches Revier
  • Überregional: Impulse u.a. aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und dem Ruhrgebiet

Auch politisch haben wir Silos aufgebrochen. Von Volt über Die Linke bis zur Union, von der Stadtverwaltung bis zur Zivilgesellschaft: Die Gruppe war so heterogen wie die Herausforderungen selbst.

Was uns besonders beeindruckt hat: Alle Teilnehmende waren vor Ort, um Lösungen zu erarbeiten, neue Allianzen zu schmieden und gemeinsam weiterzudenken. Menschen, die sonst kaum Berührungspunkte haben, tauchten tief in die jeweils andere Transformationsrealität ein.

Umbruch? Aufbruch! Vom Verstehen zum Tun

Als einer der wichtigsten Experten für sozialen Wandel in Ostdeutschland legte Prof. Dr. Raj Kollmorgen (Hochschule Zittau/Görlitz) das analytische Fundament für den gesamten Workshop: Wie funktionieren Transformationsprozesse? Was unterscheidet Ost und West und was verbindet sie?

Der Samstag stand ganz im Zeichen von Multiperspektivität und Praxis. Der Block “Umbruch? Aufbruch!” verband Video-Einspieler von der Jungen Lausitz e.V. mit der kommunalpolitischen Erfahrung von Christine Herntier (parteilose Bürgermeisterin von Spremberg und Sprecherin der Lausitzrunde). Diese Mischung holte das Thema aus der Theorie und zeigte, wie Transformation von Regionen in der Lebensrealität aussieht.

Später verschob sich der Fokus auf wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen:

  • Prof. Dr. Martin Gornig (DIW) ordnete wirtschaftliche Trends und Herausforderungen ein.
  • Lars Katzmarek (MdL, SPD Brandenburg) brachte die Perspektive der Landespolitik ein.

Gemeinsam machten die Speaker*innen deutlich: Strukturwandel ist komplex, aber gerade in der Vielfalt der Perspektiven liegen die Chancen. Wenn Wissenschaft, Kommune, Wirtschaft und Politik zusammenkommen, werden neue Lösungsräume sichtbar.

Gemeinsam Lösungen entwickeln

Unser Anspruch war klar: Nicht nur zuhören, sondern anpacken. In zwei intensiven Arbeitsphasen entwickelten die Gruppen konkrete Ansätze zu Themen, die viele Regionen teilen:

  • Fachkräftesicherung
  • Beteiligungsstrukturen
  • regionale Identität
  • Innovationsförderung

Daraus entstanden Ideen, die weit über den Workshop hinausreichen und eine Vernetzung, die ab jetzt getragen und weiterentwickelt werden will.

Bündnisse für den Wandel: Wir bleiben dran

Unser Workshop war mehr als ein Event – er war ein Startschuss. Der Weg endet nicht mit zwei intensiven Tagen. Mit einem digitalen Follow-Up und weiteren geplanten Austauschformaten wollen wir dafür sorgen, dass das Netzwerk “Transformation gestalten” weiter wächst. Denn der Workshop in Cottbus hat gezeigt: Transformation gelingt am besten gemeinsam. Und genau diesen Weg wollen wir weitergehen.

Ein besonderer Dank gilt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die den Workshop ermöglicht hat.

Fotos: Benjamin Jenak