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Coaching bei JoinPolitics: Was dich erwartet

Liebe Elke, bist du zum Coaching gekommen und was hat dich an dieser Arbeit von Anfang an fasziniert?

Als Erwachsenenpädagogin habe ich mich seit Beginn meiner Berufslaufbahn mit der Gestaltung von Lern- und Entwicklungsprozessen beschäftigt. Der Weg zum Coaching ergab sich jedoch erst im Laufe meiner eigenen beruflichen Entwicklung.

Als Lehrerin an einer Hochschule habe ich curriculares Lehren umsetzen müssen. Doch diesen enormen Druck mitzuerleben, der dadurch auf meinen Studierenden lastete, wenn sie auf eine Zulassungsprüfung hinarbeiteten, brachte mich dazu, Lernen anders zu gestalten: lebendig, gemeinschaftlich und lustvoll. Das brachte mich zur Themenzentrierten Interaktion (TZI) – dem Beginn eines bis heute spannenden Lernprozesses. Denn dahinter steckt die Aussage Ruth Cohns: „Lebendiges Lernen heißt zu leben, während ich lerne." 

Später merkte ich, dass mir reines Wissensvermitteln nicht mehr ausreichte. Ich suchte eine Aufgabe, die nicht jedes Jahr dasselbe Lernziel verfolgt, sondern in der ich Menschen und Organisationen in ihren Entwicklungsprozessen begleiten kann. Also qualifizierte ich mich zur Personal- und Organisationsentwicklerin.

Schließlich zog es mich zum Kern: den Menschen selbst in seinen ganz individuellen Entwicklungsprozessen ergebnisoffen zu begleiten. Das ist das Faszinierende am Coaching: Ich gebe keine Antworten, sondern bringe mein Wissen, meine Sinne und meine Wahrnehmung ein. Ziel ist es, die:den Coachee zu befähigen, eigene Lösungen zu entwickeln.

Du kennst das: Man erzählt einem Freund ein Problem, und dieser sagt: „Ich an deiner Stelle würde dies oder jenes tun." Das ist gut gemeint, aber es ist seine Lösung, die zu seiner Situation passt. Als Coachin erkunde ich gemeinsam mit dir dein Umfeld, deine Herausforderungen und Ressourcen. Ich bin quasi deine Mit-Denkfabrik. Gäbe es zwei Menschen mit derselben Fragestellung, gäbe es immer zwei individuelle Lösungsansätze – und keiner davon muss einer sein, den ich selbst verfolgen würde.

Wie würdest du deinen Coachingstil beschreiben und welche Werte leiten dich dabei?

Mein Coachingstil ist geprägt von einer Haltung, die ich nicht erst im Coaching entwickelt habe – sie zieht sich durch mein gesamtes berufliches Leben: Menschen ernst nehmen, ihnen zutrauen, dass sie ihre Antworten in sich tragen, und Räume schaffen, in denen das sichtbar werden kann.

Ich gehe davon aus, dass Entwicklung mehr ist als bloßes Wissen oder Problemlösen: sie ist eine zwischenmenschliche Begegnung. Ich begegne dir als Person, nicht als Fall. 

Ich halte dabei immer alles im Blick: dich, dein Anliegen, unser Miteinander und den Kontext, in dem das alles stattfindet.

Nehmen wir das obige Beispiel: Du bist neu in einer Führungsrolle und leitest ein Team, das schon lange zusammenarbeitet. Du kommst mit einer Frage: Wie finde ich meinen Weg in dieser Rolle? Wir schauen gemeinsam: Was nimmst du wahr? Was liegt dir und was fordert dich heraus? Welche Stärken bringst du mit, die du vielleicht noch gar nicht als solche benennst? Wo gibt es Unterstützung für dein Anliegen aus deinem Umfeld? Daraus entwickeln wir konkrete nächste Schritte.

Was mich dabei leitet:

  • Ich arbeite ohne Wertung. Was du mitbringst – deine Gedanken, deine Zweifel, deine Ideen – dem begegne ich mit Offenheit und Neugier. Das ist keine Technik, das ist Haltung.
  • Ich glaube an deine Selbstverantwortung. Du bist die Expertin, der Experte für dein Leben. Meine Aufgabe ist, dir zu helfen, das sichtbar zu machen.
  • Ich bringe mich mit – nicht nur mit Methoden und Fragen, sondern mit echtem Interesse, mit Wahrnehmung, mit dem, was im Gespräch zwischen uns entsteht.

Mit welchen Anliegen kommen Coachees zu dir – und woran merkt man, dass Coaching gerade sinnvoll sein kann?

Die meisten Menschen, die ein Coaching nutzen, stehen vor einer Verantwortung oder einer neuen Herausforderung und wollen klarer sehen, besser entscheiden und wirkungsvoller handeln. Hier sind einige Beispielthemen: 

  • Neue Verantwortung: Du wirst zum ersten Mal Führungskraft. Wie führst du, ohne dich zu verbiegen? Wir erarbeiten eine Haltung, die authentisch zu dir passt.
  • Delegieren lernen: Du merkst, dass du nicht alles allein stemmen kannst, weißt aber nicht, was und an wen du abgeben sollst. Wir schauen auf die praktische Frage und die dahinter liegenden Ängste.
  • Vielfältige Teams führen: Ehrenamtliche, Teilzeitkräfte und Festangestellte unter einen Hut zu bringen, erfordert Fingerspitzengefühl. Wir entwickeln eine Kultur der Wertschätzung.
  • Sichtbarkeit im Rampenlicht: Kandidierst du für ein Amt? Coaching hilft dir, mit Erwartungen, Kritik und öffentlicher Aufmerksamkeit umzugehen, ohne dich selbst zu verlieren.
  • Balance halten: Wie schaffst du es, Studium, Arbeit und politisches Engagement mit Familie und Freunden in Einklang zu bringen?
  • Feedback geben: Wie sprichst du schwierige Themen an, ohne die Beziehung zu beschädigen?

Coaching ist sinnvoll, wenn du merkst, dass du mit dem eigenen Nachdenken nicht weiterkommst, dich im Kreis drehst oder einen geschützten Raum brauchst, um laut denken zu können.

Welche Herausforderungen erlebst du besonders häufig bei jungen Menschen in der Politik oder in Führungsrollen?

Die fachliche Kompetenz ist oft da. Was fehlt, ist die Erfahrung mit den persönlichen Auswirkungen von Macht und öffentlicher Verantwortung.

Die häufigsten Herausforderungen sind:

  • Rollenklarheit: Wer bin ich jetzt als Führungskraft? Den authentischen Stil zu entwickeln, der Respekt erzeugt, ist oft die größte Hürde.
  • Sichtbarkeit und Angriffsfläche: Öffentliche Arbeit bedeutet oft hohen Verschleiß zwischen Beruf und Privatleben sowie die Gefahr persönlicher Angriffe.
  • Entscheidungen ohne Sicherheitsnetz: Führung erfordert ein stabiles inneres Fundament, das erst wachsen und gestaltet werden muss.
  • Führen ohne Weisungsbefugnis: In Vereinen oder politischen Gremien führt man Menschen, die man nicht ausgewählt hat und denen man nichts anweisen kann. Das erfordert andere Mittel als klassische Hierarchie.

Was unterscheidet Coaching aus deiner Sicht von Mentoring?

Mentoring und Coaching werden oft in einem Atemzug genannt, folgen aber unterschiedlichen Ansätzen und ergänzen sich in den Personalentwicklungsmaßnahmen.

Beim Mentoring teilt eine erfahrene Person ihren eigenen Weg, ihre Fehler und Strategien mit. Der Mentee lernt von jemandem, der den Weg bereits gegangen ist.

Coaching ist ressourcenbasiert: Im Zentrum steht nicht mein Wissen, sondern du. Ich bringe keine Musterlösung mit, sondern helfe dir, herauszufinden, wie du es am besten machst.

Ein Beispiel: Du leitest neu ein eingespieltes Team.

Im Mentoring erzählt dir eine erfahrene Führungskraft, wie sie damals Vertrauen aufgebaut hat. Du bekommst einen bewährten Weg an die Hand.

Im Coaching fragen wir gemeinsam: Was ist deine spezifische Situation? Welche Stärken bringst du mit? Wie passt eine Lösung zu dir, deinem Team und deinem Stil?

Mentoring zeigt: „Hier, schau, wie ich es gemacht habe." Coaching fragt: „Wie willst du es machen?"

Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die Verantwortung in der Politik übernehmen möchten?

Ich würde ungern fertige Ratschläge geben, sondern drei Fragen in den Raum werfen, die sich die jungen Menschen stellen sollten: 

Wofür schlägt mein Herz?
Was ist das Anliegen, das mich auch dann noch trägt, wenn es mühsam wird, wenn Gegenwind kommt, wenn die Anerkennung ausbleibt?
Wie bereite ich mich gut auf das vor, was vor mir liegt?

In der Politik weht ein starker Wind, oft auch aus dem eigenen Lager. Du brauchst ein tragendes Netzwerk und die Fähigkeit, gut für dich selbst zu sorgen. 

Wenn du diese Fragen für dich beantwortet hast: dann los!